Das Projekt

Modul 1 – Einstellung und Motivation zur Berufswahl

Im Rahmen einer quantitativen Vollerhebung wird eine Online-Befragung zur Motivation, Polizeibeamt*in zu werden, zu Einstellungsmustern und Werteorientierung durchgeführt. Es ist vorgesehen, dass neben der Bundespolizei und dem BKA auch alle Länderpolizeien beteiligt werden. Die Befragung ist auf vier bis sechs Wochen angelegt und soll voraussichtlich im September/Oktober starten. Neben inhaltlichen Items werden anonymisiert auch Individualdaten abgefragt, um bspw. Altersgruppe, Geschlecht, Herkunft, Dienstjahre, Dienstgrad, Dienststelle zu bestimmen und so ggf. Rückschlüsse auf das Antwortverhalten einzelner Gruppen ziehen zu können.
Nach Auswertung der quantitativen Befragung finden ab dem 2. Jahr qualitative Befragungen von Experten zu den Ergebnissen statt. Insgesamt sind n=80 Experteninterviews in Form von Telefoninterviews geplant, wozu teilstandardisierte Interviewleitfäden entwickelt werden. Die Ergebnisse der quantitativen Befragung werden mit den Ergebnissen der qualitativen Erhebung zusammengeführt und bewertet.
Ca. zwei Jahre nach der Ersterhebung findet eine zweite quantitative Befragung statt, die es ermöglichst, über eine reine Auswertung hinaus erstmals auch geänderte Einstellungen zu Berufswahl und Motivation im Zeitverlauf zu betrachten. Daraus können Erkenntnisse zur Entwicklung von Einstellungsmustern und Motivation generiert werden. Diese dienen als Basis für die weitere kostenneutrale Panelstudie im 6., 9. und 12. Jahr, die die Forschung zu Veränderungen von Motivation und Werteorientierung von Polizeibeamt*innen im Laufe eines Berufslebens fortschreibt.

Modul 2 – Polizeilicher Berufsalltag

Um erste Erkenntnisse zu den unterschiedlichsten Facetten und Herausforderungen des polizeilichen Berufsalltags generieren zu können, wird in Modul 2 ein multiperspektivischer Ansatz gewählt. Durch teilnehmende Beobachtungen soll ein erster Einblick in den Polizeialltag unterschiedlicher Dienststellen gewonnen werden. Damit den spezifischen Besonderheiten der vielfältigsten Einsatzmöglichkeiten von Polizeibeamt*innen Rechnung getragen werden kann, finden teilnehmende Beobachtungen bei der Schutz- und Kriminalpolizei, der Bereitschaftspolizei und der Bundespolizei statt. Örtliche Besonderheiten werden dadurch berücksichtigt, dass teilnehmende Beobachtungen sowohl im ländlichen Bereich, in der Kleinstadt, mittel-großen Städten und der Großstadt bzw. Ballungsräumen stattfinden. Die teilnehmenden Beobachtungen sind für jew. 8 Stunden an drei aufeinanderfolgenden Tagen vorgesehen.
Darüber hinaus sollen 6 Fokusgruppengespräche mit jeweils 6 Personen geführt werden, um im Rahmen einer Diskussion Einblicke in die Besonderheiten des Arbeitsalltags bei der Polizei zu erhalten. In der Zusammensetzung wird nach mittlerem, gehobenen und höheren Dienst differenziert und hier Fokusgruppen einmal aus Reihen der Bundespolizei und einmal aus einem frei gewählten Bundesland gebildet. Die in den teilnehmenden Beobachtungen und im Rahmen der Fokusgruppengespräche identifizierten Besonderheiten und Herausforderungen des polizeilichen Arbeitsalltags sollen in einem nächsten Schritt in einen halbstandardisierten Fragebogen überführt werden, um Experteninterviews mit Führungskräften innerhalb der Polizei zu führen (n=40). Dadurch können zum einen die bisherigen Erkenntnisse zur Diskussion gestellt und zum anderen generiert werden, wie sich der Arbeitsalltag in den einzelnen Behörden unterscheidet. Auf Grundlage dessen können Handlungsempfehlungen entwickelt werden, um den Polizeialltag für die Mitarbeiter zu verbessern, Missständen vorzubeugen und Hilfsangebote zu optimieren.

Modul 3 – Gewalt gegen Polizeibeamte

Im dritten Modul soll aufbauend und ergänzend zur GeVoRe-Studie eine Erweiterung der Stichprobe zur Befragung von Polizeibeamten nach ihren Gewalterfahrungen erfolgen (n=40). Dabei ist der bereits entwickelte halbstandardisierte Fragebogen im Hinblick auf bestehende sowie perspektivisch gewünschte Hilfsangebote bei psychischen Belastungen zu erweitern sowie um weitere Fragen zu ergänzen, die sich ggf. aus den Erhebungen in den anderen Modulen ergeben. Daher soll Modul 3 auch erst im 2. Förderjahr (2022) starten.
Darüber hinaus soll die Täterseite (n=20) detailliert zur Motivation der Gewaltanwendung und zur Beschreibung gewaltfördernder Situationen befragt werden.

Modul 4 – Entwicklung von Motivation und Wertorientierung

Bereits in Modul 1 erfolgt im dritten Jahr die zweite Erhebung zu Berufswahl, Motivation und Wertorientierung in der Polizei. Neben der erneuten Auswertung der quantitativen Befragung (s.o.) ist eine Überprüfung der Veränderungen von Motivation und Wertorientierung im Laufe der Zeit vorgesehen. Durch die zweifache Erhebung im Längsschnitt werden erste Trends und Aussagen herausgearbeitet. Um belastbarere Aussagen zu Motivation und Wertorientierung zu treffen, ist jedoch ein größerer Zeitraum für eine umfassende Längsschnittstudie zwingend erforderlich. Daher führt das Fachgebiet III.5 Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminalpolitik der DHPol kostenneutral eine Panelstudie über die Förderphase hinaus fort, so dass eine quantitative Folgebefragung im 6., 9. und 12. Jahr stattfinden wird. Zudem ist geplant, die quantitativ gewonnenen Erkenntnisse ggf. durch Masterarbeiten unter Einsatz von qualitativen Experteninterviews zu untermauern.